Day 30: Pettigo to Gortin, 60km

Day 29: Belleek to Pettigo, 21km.
February 9, 2018
Day 31: Gortin to Moneyneany, 37km
February 9, 2018
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Day 30: Ende

Was liegt zwischen Pettigo und Gortin? Fast gar nichts. Viele Sträucher. Einige Bäume. Viele Schafe. Einige Häuser. Das war es im Grunde.

Die Frage war folgende: Teilen wir diese Etappe in zwei Tagen auf und campieren irgendwo im Nirgendwo. Oder machen wir eine weite Weitwanderung von 60 Kilometer und haben dafür einen sicheren Schlafplatz im Community Center von Gortin. Wir haben das Community Center von Gortin angeschrieben und angerufen, und wenn wir heute vor 21:30 Uhr dort ankommen, dann ist für uns ein trockener und warmer Schlafplatz garantiert. Machen wir aus dieser Etappe zwei ungemütliche, kalte, verregnete Tage oder einen (in Kärnten würde man hierzu Vier-Berge-Marsch sagen) kräfteraubendenden, eigentlich unerträglichen – und überhaupt, nicht zumutbaren – weiten Wandertag bis zum Ende unserer Kräfte, aber mit der Aussicht auf einen trockenen warmen Platz und vielleicht sogar ein Essen – wer weiß… Uns ist klar, dass wir fast die halbe Zeit im finsteren zurücklegen müssten. Aber wir haben uns gestern entschieden.

Wir entscheiden uns also für letzteres und machen uns früh auf unseren etwa 15 Stunden dauernden Wandertag auf. Wir müssen Gortin vor 21:30 Uhr erreichen. Das würde bedeuten, fünf Stunden am Abend in der Dunkelheit marschieren und zwei Stunden in der morgendlichen Dunkelheit. Etwas mehr als in der Dunkelheit gehen wir in der „Helligkeit“ des Tageslichtes, etwa acht Stunden. Naja, gar so hell wird es heute aufgrund des Wetters nicht.

Der Vormittag ist eher verregnet. Nach etwa sechs Stunden brauchen wir eine Pause. Aber alles ist nass und es regnet noch immer leicht. Aber da ist endlich ein Haus. Wir fragen also den Besitzer: „Dürfen wir hier draußen auf deiner Bank unter dem Dach sitzen?“ Doch der Hausbesitzer verneint dies. Wir dürfen also nicht im Garten sitzen. Zum Glück gibt es hier noch ein zweites Haus und wir stellen dieselbe Frage. Erneut bekommen wir eine Absage. Uns fällt zwar keine geringere Bitte ein, als irgendwo zu fragen, ob man sitzen darf, aber nun gut. Dürfen wir hier stehen und atmen, hätten wir noch probieren können, aber das bringts ohnehin nicht. Wir befinden uns wieder in Nordirland. Vielleicht beendet Nordirland unsere Weitwanderung früher als erwartet.

Heute Vormittag sind wir ja ein zweites Mal über die Grenze von Irland nach Nordirland gegangen. Nachdem wir in Belleek auf keinerlei Hilfe und Unterstützung gestoßen sind, haben wir gestern unerwartet in Irland übernachtet und sind heute wieder in Nordirland angelangt. Unsere Kräfte verlassen uns langsam. Und wenn es so mit wenig bis keiner Unterstützung in Nordirland weitergeht, so werden wir früher oder später unsere Weitwanderung abbrechen müssen. Die 46 Kilometer von Belcoo nach Belleek und die eisige Kälte bei Minusgraden im Zelt haben uns sehr viel Energie gekostet. Gestern haben wir zwar eine Unterkunft und Essen in Pettigo bekommen, die Suppe und das Brot haben uns aber nicht besonders satt gemacht. Und heute haben wir uns dafür entschieden, eine 60 Kilometer lange Wanderung zu unternehmen, um nicht noch einmal bei Minusgraden im Zelt übernachten zu müssen.

Wir können also nicht bei der Hauswand sitzen und ziehen daher kraftlos und angewidert weiter. Selbstverständlich akzeptieren wir ihr Recht uns keinerlei Hilfe zu leisten. Nach etwa einer Stunde erreichen wir erneut ein Haus. Wir fragen notgedrungen, ob es für uns irgendwo einen Platz gibt, wo wir kurz Pause machen und sitzen könnten. Und nun haben wir Glück. Der Typ lädt uns zu sich in die Küche ein. Wir können zwar nur kurz bleiben, da er bald wieder in die Arbeit muss, aber wir bekommen einen Kaffee und unsere Pause, die wir dringend brauchen. Wir verstehen zwar fast kein Wort seines irischen Akzents, aber es ist ein sehr netter junger Mann, der hier Irgendwo im Nirgendwo Baggerfahrer ist. Über den Esstisch hängt ein Bild mit dem Satz: Life takes you to unexpected places, Love brings you home, welchen Marc sofort seiner Freundin nach Indien schickt. Sie werden bald beide heimfliegen, um sich zu Weihnachten daheim zu sehen. Der Baggerfahrer meint zum Spruch nur er sei schwul, von seiner Freundin, er tut lieber Baggerfahren. Zumindest versteht das Marc so, es könnte aber auch alles andere bedeutet haben! Nach etwa zehn Minuten müssen wir jedoch aufbrechen. Und das wird unsere letzte Pause auf dieser 60 Kilometer langen Wanderung sein.

Was sollen wir zu dieser Wanderung großartiges sagen. Nach etwa 35 Kilometer ist es einfach nur mehr schmerzhaft. So ungefähr alles an unserem Körper schmerzt. Der Rücken. Die Fußgelenke. Die Fußsohlen. Die Knie. Und und und. In der Dunkelheit sieht uns zum Glück niemand (aber auch wenn es hell wäre, würde uns niemand sehen, da hier niemand ist). Wir humpeln im Schein des Mondes dahin. Seit unserer letzten Pause kommt unser Glück langsam wieder zurück, welches wir brauchen. Es hat aufgehört zu regnen und wenn wir nicht so weit marschieren müssten, wäre es heute ein herrlicher Abend. Es ist sternenklar und wir können sogar ohne Taschenlampen marschieren – ähm, eigentlich humpeln wir, aber wir kommen recht zügig voran.

Marc sieht auf die Uhr: „Es sind noch 16 Kilometer. Wir haben noch fast vier Stunden Zeit.“ Wenn wir nicht bereits 44 Kilometer zurückgelegt hätten, wäre dies überhaupt kein Problem. Aber humpelnd, mit starken Schmerzen, und in der Dunkelheit, doch eine Herausforderung. Ahja, nicht zu vergessen, am Ende unserer Kräfte durch die letzten Wochen am The Ireland Way ohne Day-Off mit zu wenig Essen in den letzten Tagen doch etwas mehr als eine Herausforderung. Aber unser Zelt aufzustellen bei Minusgraden, das ist heute keine Option für uns. Wir marschieren also weiter.

Und tatsächlich, um 21:25 Uhr erreichen wir das Community-Center von Gortin. Eine freundliche jüngere Frau erwartet uns. Sie zeigt uns unsere Unterkunft. Erwartet haben wir einen Abstellraum, einen Duschraum oder einen Sportraum. Doch nun hat sich der Schmerz, die weite Wanderung, die Strapazen auf alle Fälle ausgezahlt. Wir bekommen ein Haus mit zwei Schlafzimmern, warmer Dusche und Badewanne, Fernsehzimmer und Küche. Die nette Frau bringt uns sogar noch Essen. Nun sitzen wir da in den Stühlen, am Ende unserer Kräfte und es vergeht zuerst etwas Zeit, bevor wir es schaffen eine Dusche zu nehmen und uns Essen zuzubereiten. Keiner von uns möchte aufstehen und allzu lange herumarbeiten. Aber das müssen wir ja gar nicht. Wir haben einen warmen trockenen Platz und Essen. Was wollen wir mehr. Die morgige Etappe wird sich auf 37 Kilometer belaufen. 37 Kilometer nach den letzten Tagen…darüber wollen wir heute noch nicht nachdenken. Es ist bereits spät und morgen müssen wir wieder früh aufbrechen. 37 Kilometer nach den letzten Tagen…aber heute gibt es eine heiße Badewanne und Essen. Ob wir noch eine zu lange Etappe nach den letzten Tagen schaffen werden, das wird sich morgen zeigen. Heute gibt es zumindest eine heiße Badewanne und Essen und ein Bett.

Marc & Tom, alias BreadlineWalking.

There is never a headline, ‘bout a breadline.
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