Day 31: Gortin to Moneyneany, 37km

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Day 32: Moneyneany to Dungiven, 21km
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Day 31: Niemand auf der Welt müsste Hunger haben oder im Freien schlafen.

Marc dreht sich im Bett auf die andere Seite. Sein Rücken schmerzt bestialisch. Tom greift sich auf seinen rechten Knöchel, welcher unerträglich sticht. Marc dehnt seine Zehen, die von den weiten Wanderungen der letzten Tage schmerzen. Tom streckt seine Füße aus, um die Schmerzen in den Knien zu lindern. Der Wecker läutet und beide treffen sich in der Küche.

Heute können sich beide nicht ausstehen. Sie maulen sich an und machen ihr eigenes Ding. Es wird wohl an den Anstrengungen der letzten Tage liegen. Oder an den Schmerzen an unterschiedlichsten Stellen des Körpers. Oder einfach nur daran, dass Marc ein egozentrischer, narzisstischer Volltrottel ist. Oder daran, dass Tom ein fauler Pascha ist. Heute können sich beide nicht ausstehen.

Nach der 46 Kilometer langen Wanderung und kalten Übernachtung im Zelt bei Minusgraden in Belleek, der etwas angenehmeren Wanderung von 21 Kilometern nach Pettigo und dem 60 Kilometer Marsch gestern geht es heute noch einmal 37 Kilometer lang nach Moneyneany.

Die Wanderung verläuft recht eindrucksvoll über die Berge, wobei eigentlich nur wenige Höhenmeter gemacht werden müssen. Tom und Marc laufen separat voneinander. Für Weitwanderer an sich ganz normal. Heute regnet es nicht. Und die Landschaft ist wirklich eindrucksvoll.

In Moneyneany gibt es nicht viel. Aber BreadlineWalking fragt im Pub ob sie ihr Zelt aufschlagen können. Für viel mehr Fragerei fehlen ihnen heute die Kraft und vor allem die Laune. Um Hilfe zu fragen, das kann schon richtig nerven. Man sollte dabei nicht genervt ausschauen. Ironischerweise fragt man aber genau in diesen Situationen um Hilfe oder? Wann denn sonst? Eigentlich ist es auch nach 31 Tagen kein Leichtes. Und dieses Gefühl wird sich wohl nicht ändern. Um Hilfe fragt man nur, wenn man Hilfe braucht. Wenn jemand dich um Hilfe bittet, dann macht er es definitiv nicht aus Spaß, sondern braucht ernsthaft Hilfe. Und angenehm ist es für diese Person, sofern es eine fremde Person ist, definitiv auch nicht. Wie oft habt ihr schon fremde Personen um Hilfe gebeten? Also nicht um Wegbeschreibungen, kurz die Einkaufstasche halten, sondern wirklich um essenzielle Hilfe? Um Essen? Um Unterkunft? Solche Bitten stellt man nur, wenn man sie braucht. Und auf der Straße sitzt man auch nur, weil man es muss.

Wir fragen also im Pub um einen Platz für unser Zelt. Vielleicht hat der Besitzer jedoch geahnt, dass wir viel viel mehr brauchen würden. Dass Tom die Wanderung ansonsten beenden würde. Oder vielleicht ist er nur ein herzensguter, hilfsbereiter und sehr sympathischer Kerl. Aber er bietet uns sofort ein Schlafzimmer an. Wir müssten nur eine Stunde im warmen Pub warten, bis er das Zimmer hergerichtet hat. Also warten wir bei einem warmen Kaffee im Pub. Und dann zeigt er uns unser Zimmer über dem Pub. Wir haben zwei Betten und es ist richtig warm. Wir können auch unser Gewand waschen und eine warme Dusche nehmen. Schließlich bringt er uns noch sechs kleine Bier und so viel Fish & Chips, wie wir nur essen können. Bis zu einem gewissen Grad hat diese gute Tat und diese Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe uns zum Weitergehen vorangetrieben: „Niemand auf der Welt müsste Hunger haben oder im Freien schlafen“, sagt er noch, uns eine gute Nacht wünschend.

Marc liebt die Nordiren ab sofort! Aber ganz ehrlich, manchmal reicht es so einen Menschen zu treffen und man schöpft selber wieder Hoffnung in die Menschheit. Alle hätten genug zu essen sagt er und er hat Recht. Das kann einem wütend machen…oder man bewegt endlich seinen Arsch und tut was!!! Und man weiß nie, ob es einen nicht selber mal trifft, sagt er. Mit einem Schicksalsschlag kannst du von heute auf morgen auf der Straße landen. Und Recht hat er. Unscheinbar ist er vielleicht, aber was er getan hat, war großartig und was er gesagt hat, das hat gesessen! Ein eindrucksvoller stiller Mensch, der uns absolut zur rechten Zeit geholfen hat. Ohne ihn wäre es mehr als knapp geworden!

Drei kleine Bier und Fish & Chips im warmen Bett nach 159 Kilometern in vier Tagen, das ergibt einen Schnitt von 40 Kilometer am Tag. Hundemüde schlafen wir ein. Morgen geht es weiter. Aber heute sind wir satt. Niemand auf der Welt müsste Hunger haben oder im Freien schlafen.

Wer noch nicht weiß, was wir hier eigentlich machen – wir sammeln Wärme und Sonnenschein für Obdachlose Menschen in Form von Spenden für das Eggerheim in Klagenfurt.
Die Spenden kommen zu 100 Prozent der Obdachlosenhilfe der Caritas Kärnten, Eggerheim Klagenfurt, zugute. Spenden könnt ihr direkt auf das angeführte Bankkonto oder über die offizielle Website der Caritas unter https://www.caritas-kaernten.at/…/inlandskamp…/weitwandern/…!
Danke!

Donation for Caritas:
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