Day 32: Moneyneany to Dungiven, 21km

Day 31: Gortin to Moneyneany, 37km
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Day 33: Dungiven to Castlerock, 60km
February 9, 2018
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Day 32: Ich habe zwei Männer gesehen, ich hoffe wirklich das wart nicht ihr!

Bric Mulligen, bei dem wir heute im Mulligen Pub übernachtet haben, macht uns heute Frühstück. Und zum zweiten Mal auf unserer Weitwanderung schaffen wir es nicht, alles wegzuessen. Weitwanderer essen per se Unmengen. Wahrscheinlich isst ein Weitwanderer mehr als eine Kleinfamilie insgesamt. Aber wir schaffen es heute wirklich nicht den ganzen Speck, Würstchen, Bohnen, Toastbrot, etc., wegzuessen. Uns wird beim Zusehen fast schwindlig, es ist wie bei der Tea Party in Alice in Wonderland.

Bric ist ein äußerst interessanter Mann. Er war 20 Jahre lang in Australien. Nun lebt er wieder, als gebürtiger Ire, hier und betreibt das Pub. Er ist der Meinung, dass niemand auf der Welt hungern oder im Freien übernachten müsste. Deshalb hat er gestern auch gar nicht überlegt, ob er uns ein Zimmer anbieten sollte, er hat es einfach getan. Er ist still, er ist unscheinbar, er ist der Typ von Mensch, den wir respektieren können. Er kümmert sich einen scheiß darum, dass seine Tat sichtbar wird und gerade deswegen wiederholen wir es mehrmals.

Bric ist sehr interessiert an unserer Weitwanderung und hat zu Hause richtiges Kartenmaterial. Wir besprechen mit ihm gemeinsam unsere Routen der nächsten beiden Tage. Einzelne Abschnitte ist auch er bereits selber zu Fuß gegangen. Bric wird uns in Erinnerung bleiben. Vor allem seine ruhige, zuversichtliche und interessierte Aura, aber auch sein Glaube an das Gute in der Welt und an mögliche Gerechtigkeit. Er selber wollte gar nichts, nur uns helfen. Zur Verabschiedung schreibt er kurz und prägnant in unser schwarzes Büchlein der Nächstenliebe: „Very pleased to be able to help Marc and Tom on their journey.” Dann brechen wir auf.

Heute geht es sehr eindrucksvoll erneut über die Berge. Tom hört Herr der Ringe und beamt sich die nächsten Stunden in eine andere Fantasiewelt der Orks, der Hobbits, Elfen und Zwerge.

Home is behind the world ahead
And there are many paths to tread
Through shadow to the edge of night
Until the stars are all alight.

Mist and shadow
Cloud and shade
All shall fade
All shall fade”

Marc war vor der Abreise 2 Wochen krank und seine Fitness war mehr als Besorgnis erregend. Er hat es gerade noch geschafft seinen Rucksack zu packen, somit hat er gerade mal drei Alben auf seinen mp3 Player, diese Alben kann er schon sehr lange nicht mehr hören.

Als wir in Dungiven ankommen ist noch recht früh und der Pfarrer nicht zugegen. Wir rufen im Campingplatz an. Und tatsächlich hebt der Mann ab und lässt uns heute am Campingplatz übernachten. Dort gibt es zumindest Toiletten als trockenen Ort, denken wir uns, und marschieren drauf los.

Unterwegs treffen wir den netten Mann, und er wird uns einen warmen trockenen Platz organisieren, verspricht er. Es hält also ein Auto an und irgendjemand spricht Marc an, der ewig braucht seine Kopfhörer mit der ewig selben Musik zu entfernen. Ob wir mitfahren wollen? Nein. Ob wir zufrieden sind mit einem Platz fürs Zelt. Ja, danke sehr. Aha, naja, ihr seid verrückt und ihr könnt drinnen schlafen. Und das Versprechen hält er ein. Wir können heute im Aufenthaltsraum des kleinen Campingplatzes übernachten. Er besorgt uns für den Kamin Feuerholz und Torf, mit welchem wir beinahe die gesamte Nacht den Kamin beheizen können.

Nach einer Dusche fährt uns Mervin, der Besitzer des Campingplatzes, in die katholische Kirche und wir besuchen die abendliche Messe. Der Pfarrer ist Inder und wir verstehen beinahe kein Wort, aber die Kirche ist voll und Marc freut sich wie ein Hutschpferd. Mervin selbst ist evangelisch und kommt nicht mit in die Kirche. Aber wir sollen danach in die Imbissstube gehen. Er wird dort anrufen und wir sollen uns was zum Essen bestellen. Er wird danach die Rechnung begleichen und uns dort abholen. Haben wir in Nordirland bisweilen noch nichts vom Nordirlandkonflikt mitbekommen, so merken wir bei Mervin doch, dass dieser alles miterlebt hat. Den Identitäts- und Machtkampf zwischen der katholischen irischen und der protestantischen nordirischen Bevölkerungsgruppe im Gepäck bezahlt er fremden Österreichern, die für eine Herberge der katholischen Kirche gehen, einen Burger mit Chips. In Dungiven sind jedoch fast alle katholisch und demnach war die Kirche auch mehr als randvoll.

Als wir nach der Abendmesse in der Imbissstube ankommen, kommt im selben auch Mervin. Wir essen also gemeinsam in der Imbissstube und unterhalten uns längere Zeit. Mervin selbst ist interessiert an traditioneller kärntnerischer Musik und kärntnerischen Tänzen, an Polka und Jodeln. Überhaupt ist er an vielen alten kulturellen oder historischen Dingen interessiert. Demnach ist auch der Aufenthaltsraum am Campingplatz gestaltet.

Wir verbringen gemeinsam einen sehr geselligen und geschwätzigen Abend und erfahren viel über jeden einzelnen Gegenstand, bis wir schließlich einschlafen.

Übrigens: Heute haben wir Kilometer 800 erreicht. In der Nacht schreibt uns noch irgendjemand: „Wo seid ihr gerade? Ich hoffe ihr seid nicht in Dungiven?“ Die Dame dürfte uns dort gesehen haben. Und wir dürften nicht gerade einen souveränen Eindruck gemacht haben. Vielmehr sind wir die Straße entlang gehumpelt. Besonders Marc hatte heute extrem schmerzvolle Krämpfe und er brauchte für 4 km circa 2 Stunden. Einmal schwächeln darf wohl erlaubt sein. Aber ausgesehen muss es tatsächlich extrem erbärmlich haben. Das war kein gehen mehr. Aber eine einzelne Nacht (mit sehr sehr viel Magnesium, Wasser und Salz) kann Wunder wirken. Und morgen werden wir sehen, ob wir die nächste 60 Kilometer lange Etappe ans Meer schaffen werden oder irgendwo im Wald campieren müssen. Aber eine Nacht kann Wunder wirken, denken wir uns und das müssen wir wohl auch. Und vor allem die netten Begegnungen der letzten beiden Tage wirkt Wunder.

Marc & Tom, alias BreadlineWalking.

There is never a headline, ‘bout a breadline.
Wer noch nicht weiß, was wir hier eigentlich machen – wir sammeln Wärme und Sonnenschein für Obdachlose Menschen in Form von Spenden für das Eggerheim in Klagenfurt.

Die Spenden kommen zu 100 Prozent der Obdachlosenhilfe der Caritas Kärnten, Eggerheim Klagenfurt, zugute. Spenden könnt ihr direkt auf das angeführte Bankkonto oder über die offizielle Website der Caritas unter https://www.caritas-kaernten.at/…/inlandskamp…/weitwandern

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