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Day 33: Ein Wandertag im Kopf von Tom

In der heutigen Ausgabe: The Flash auf Weitwanderung durch Irland.

The Flash wird die Herausforderung annehmen und The Ireland Way zu Fuß, und ohne Geld, durchwandern. Er bestellt sich noch schnell einen Cappuccino in Castletownbere, bevor er dann ohne Geld, 900km zu Fuß, zurücklegen wird. Er starrt in den Himmel, wo sich bereits die ersten Wolken zusammenziehen und denkt sich: „Jetzt muss ich mich beeilen.“ 5 Minuten später bestellt er sich eine Limonentorte in Ballycastle. Doch wieso hat er so lange für die Weitwanderung gebraucht?

In Ballinasloe, etwa in der Hälfte des Weges, bemerkt The Flash, dass er seine rote kleine Tasche in Castletownbere vergessen hat. In dieser befinden sich Kramasure von höchster persönlicher Bedeutung für The Flash, ein Zeitreisekaugummi, Einstein, ähm, nein, ein Stein, ach wie süß, ein Nasenhaartrimmer, den er von seiner Omi geschenkt bekommen hat. Für diese rote Tasche würde er den gesamten Weg zurückrennen, egal wie viel Zeit es kostet. Und er tut es auch. 15 Sekunden später, und nach der Rettung einer neugeborenen soooooo süßen Katze von einem Baum, findet er seine heißgeliebte rote Tasche tatsächlich in Castletownbere. The Flash startet den Weg von neuem. In Tipperary vereitelt er noch schnell einen Banküberfall, in Upperchurch wiederbelebt er einen Herren mittleren Alters und in Belleek muss er für kleine Jungs und scheißt noch schnell auf diese Stadt. Währenddessen klopft er noch an ungefähr 787 Häuser und sammelt damit viermal so viel Charity-Geld für die Obdachlosenhilfe als BreadlineWalking in einem Monat. „Ich bin der Flash!“ schreit er. „Das ist ja schön und gut, aber was wollen sie bestellen?“, fragt die Verkäuferin schon ein wenig genervt. „Ich hätte gerne die Limonentorte.“

In der nächsten Ausgabe von The Flash: The Flash wandert als schnellster Mann der Welt den gesamten Israel National Trail in 2 Sekunden. The Flash hierzu im Interview:
Interviewer: Wieso der Israel National Trail?
The Flash: Ich mag Länder mit i. Wie Irland. Israel. Is…ähm…In…ähm. Wie Irland. Israel.“

Ach, wenn ich nur The Flash wäre. Aber jetzt muss ich wirklich aufstehen. Wenn ich nur The Flash wäre. Dann würde ich in 20 Millisekunden die Zähne putzen können. Wieso gibt es eigentlich nicht so etwas wie Scheibenwischer für die Zähne? Dann müsste man nur einen Knopf drücken. Ich hätte gerne zwei Scheibenwischer für die Zähne. Ich mag jetzt einen Kaffee trinken. Oder zwei Kaffee. Zwei Kaffee am Morgen, und der Tag wird besser. Tom und Zähneputzen-Marc kapiert nichts.

So, und nun den Rucksack packen. Die Türe aufmachen und noch schnell ein Foto schießen. Und nun geht es los mit dem Losgehen.

Dubdidubdidu. Dubdidubdidubdidu. Dubidubidu. Immer weiter gehen. Dubdidubdidu. Dubidubidu. Oh, wow eine Schnecke!!! Dubdidubdidu. Dubidubidu. Der Weg ist langweilig. Es geht immer nur geradeaus. Dubdidubdidu. Dubidubidu.. Mila ist 12 Jahre alt und lebt im fernen Japan. Kulleraugen, Pferdeschwanz, Kopf voll Fantasien. Früher war sie krank und schwach. Doch das ist vorbei. Jetzt ist sie ein Volleyass. Und ein kleines Wunder Wunder.

Wie es wohl Mila geht (Glintschnigs alte uralte Katze-sie wird uns alle überleben)? Ob sie noch lebt, wenn wir zurückkommen? Wie viel hat sie wohl angepinkelt in meinem Zimmer oder angeschissen? Wer füttert sie eigentlich während ich in Irland bin? Hab ich überhaupt jemanden informiert bezüglich der Katze? Naja, scheiß der Hund aufs Feiazeig, wie unser Vater zu sagen pflegte. Pauli wird das schon machen.

Dubdidubdidu. Dubdidubdidubdidu. Dubidubidu. Oh, ich glaub da liegt schon wieder ein toter Fuchs. Das ist voll traurig. Noch vor kurzem ist er frei in der Wildnis herumgelaufen, hat vielleicht noch mit seiner Frau geschmust. Haben Füchse überhaupt Frauen und leben sie in Monogamie? Ich hoffe er hat so oder so noch geschmust. Und ist er dann von seinem zu Hause im Wald aufgebrochen, um für seine Kinder Nahrung zu suchen. Dann springt er froh und lustig durch die Wälder und blatsch, ein Auto überfährt ihn. Das ist voll traurig, wenn man so nachdenkt. Wie so vieles, würde man es tun. Zum Glück bekommen wir dank der Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe der irischen Bevölkerung immer genug zum Essen und müssen nie hungern. Aber hier in Irland findet man auch alle 100 Kilometer einen toten Fuchs auf der Straße. Der müsste eigentlich für zwei Weitwanderer mittleren Alters für 100 Kilometer kalorientechnisch reichen? Das müsste sich leicht ausgehen. Wenn wir in Nordirland nichts zu essen bekommen, dann muss ich mir noch ein Youtube-Tutorial anschauen, wie man Füchse häutet. Wie berechnet man eigentlich mathematisch eine Essen-Tote-Füchse-Kumulative-Regressionsanalyse? Anal? Marc hat sich selber in seiner fast 6000 km Weitwanderung bereits jeden Witz mehrmals erzählt. Das angenehmste war das zweite Mal. Man weiß, was kommt und kann entspannt an was anders denken. Zum Beispiel warum es am Straßenrand so viele Löffel gibt. Bestimmt 5-mal so viel wie Messern und Gabeln insgesamt. Warum??? Weil es so viele heroinsüchtige Autofahrer gibt? Überhaupt hatte er viel Zeit zum Nachdenken und sein Schluss von überhaupt allen: alles lässt sich in eine Weisheit zusammenfassen, überliefert durch seinen Vater: „Auf alle Fälle scheißt ein Hund keine Gummibälle, scheißt ein Hund Gummibälle, sind das ganz besondere Fälle“. Dieser Chiasmus, diese jüdische Weisheitslehre, gibt ihm in allen Situationen Halt und Orientierung. Auf alle Fälle!!!

Dubdidubdidu. Dubdidubdidubdidu. Die Weiber von Sailor Moon wär jetzt geil hier haben. Die könnten nach der nächsten Kurve rechts gerne herumstehen und irgendeinen Blödsinn tanzen. Das waren schon ziemlich geile Schlampen irgendwie. Oder hab ich das vielleicht nur so in Erinnerung, weil ich damals ein Kind war? Aber denen wäre dann im Minirock bestimmt kalt. Und dann müsste ich ihnen eine Jacke von mir anbieten und, nein, das zahlt sich auch wieder nicht aus. Ist aber eh ziemlich unwahrscheinlich, dass die da herumstehen. Die gibt es nämlich ja gar nicht. Wär aber trotzdem ein lustiger Zufall. You never know.

Dubdidubdidu. Dubdidubdidu. Hmmm. Über was soll ich jetzt nachdenken? Immer dieses Nachdenken über das Nachdenken. Und jetzt gerade denke ich über das Nachdenken über das Nachdenken nach. Das ist so ziemlich das allerblödste über das man nachdenken kann. Jetzt muss ich mal nachdenken, ob man eigentlich überhaupt über etwas Blöderes nachdenken kann? Hmmm. Damit hab ich das damit eigentlich auch geschafft. Marc denkt sehr oft über den Minty Mint Song von der Serie Malcolm mittendrin nach. Vor allem darüber, dass er so oft daran denkt, ohne den Text zu kennen und das seit 6000 km. Lustiges Leben.

Oh, noch eine tote Katze auf der Straße. Die Straße steckt voller Proteine. Was sind eigentlich Proteine? Ich sollte mich irgendwann mal informieren. Kohlenhydrate, Proteine, das ist einfach zu viel verschiedenes. Und alles zusammen ist wieder Essen. Also eh alles gleich. Und zündet man es an ergeben sich Kalorien. Alles ist Kalorien und das für alle. Wers glaubt. So ein bullshit!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! Kalorien ist das denkbar blödeste überhaupt. Marc mag keinen Thunfisch. Isst er 100 Gramm, kotzt er 500 Gramm. An welche lustigen Sachen wir glauben, nur weil es Kerle in einen weißen Mantel bzw. eckigen Hut behaupten.

Dubdidubdiu. Dubdidubdiubdidu. Scheiße, wir sind gleich beim Campingplatz in die falsche Richtung gegangen. „Marc, wir müssen umdrehen und wieder zum Startpunkt zurückgehen. Wir sind die falsche Richtung gegangen.“ Marc murmelt irgendetwas daher. Aber wenn man immer nur jedes fünfte Wort mithört, klingt das voll lustig. Tom … du … immer … super. Ach toll, er findet mich und meine Navigation super. Echt ein liebes Kompliment von meinem Bruder. Ich hör jetzt am besten ein bisschen Musik. Wir sind ja sowieso richtig gegangen. Also nur weiter.

Dubdidubdiu. Dubdidubdiubdidu. Ach scheiße, der Rucksack ist schwer. Dubdidubdiu. Dubdidubdiubdidu.

Zwei Stunden später: Dubdidubdiu. Dubdidubdiubdidu. Ach scheiße, der Rucksack ist schwer. Dubdidubdiu. Dubdidubdiubdidu.

Eine weitere Stunde später: Dubdidubdiu. Dubdidubdiubdidu. Ach scheiße, der Rucksack ist schwer. Dubdidubdiu. Dubdidubdiubdidu.

Drei weitere Stunden später: Dubdidubdiu. Dubdidubdiubdidu. Ach scheiße, der Rucksack ist schwer. Dubdidubdiu. Dubdidubdiubdidu. Ich hab jetzt richtig Hunger. Ich sollte auf Jagd gehen und einen Bären erlegen. Dann häute ich ihn und zieh mir das Fell an und lauf in einen Supermarkt. Dann flüchten bestimmt alle vor mir und ich kann mir aus dem Gefrierschrank ein Bärenfleisch mitnehmen und kochen. Bärenfleisch wär bestimmt lecker. Aber ich glaub was anderes wie Erdbeeren gibt es hier in irischen Geschäften nicht. Und wenn ich die anziehe, flüchtet bestimmt niemand vor mir, sondern isst mich auf. Und dann wären die Iren Kannibalen, weil sie ja nicht wissen, dass ich darunter stecke. Aber das würde ich den Veganern hier fast gerne antun. Oder Frutariern. Hmm Autorkorrektur schlägt Frustrierte vor. So wie Früchte in Irland.

Dubdidubdiu. Dubdidubdiubdidu. Ach scheiße, der Rucksack ist schwer. Dubdidubdiu. Dubdidubdiubdidu. Ein paar Stunden später: Ach scheiße, alles tut weh. Ich hör jetzt auf zu denken.

Wir haben mit der heutigen Etappe einen Thru-Hike längs durch Irland, von einer Küste in Castletownbere zur anderen Küste in Castlerock vollbracht. Und keine Sau weiß warum wir bis Ballycastle weiter gehen müssen. Spät in der Nacht kommen wir beim Meer an. Marc macht ein Foto. Alles schwarz, das gefällt ihm. Und für uns fühlt sich der heutige Abend nicht nach Party und Sieg an. Zu sehr tut alles weh. Aber es ist doch ein Gefühl der Freude und Ehrfurcht, dass wir den Weg geschafft haben. Das Meer auf der anderen Seite rauscht. Der Wind streicht uns durch die fettigen Haare. Ja, alles tut weh, der Rucksack zieht. Aber das Meer rauscht und ansonsten ist es still. Wir hören nichts außer das Rauschen des Meeres und den Wind, welcher uns durch die stinkigen Haare streicht. 900 Kilometer haben wir fast zurückgelegt und sind durch Irland ohne Geld marschiert. Eigentlich unfassbar. Heute sind wir auf der anderen Seite angekommen. Die letzten 60 Kilometer führen entlang der Küste bis nach Ballycastle. Eine sehr schöne Route, wie wir hoffen. Entlang des Meeres zu wandern ist immer etwas ganz besonderes. Marc hat das fast 3000 km lang gemacht.

Als wir in Castletownbere auf der anderen Seite von Irland gestartet sind, haben wir nicht gewusst, was auf uns wartet. Heute stehen wir am Strand, wieder am Meer auf der anderen Seite der Insel. Wir haben neue Freunde gewonnen. Uns wurde tagtäglich geholfen. Es gibt tatsächlich keinen einzigen Tag, wo wir nicht Hilfe erhalten haben, wo wir nicht Nächstenliebe erfahren haben. Gerührt, aber doch ein wenig müde, stehen wir noch einige Zeit still am Meer und lauschen den Wellen, auf unsere Art und Weise berührt. Ja sicher, irgendeine dumme medienversierte Bitch hätte ein herzzerreißendes medientaugliches Video angefertigt, voller Tränen, unterlegt mit Musik und alles wäre so heroisch und „viral“ (darüber muss man nicht lange nachdenken) erfolgreich…und Marc brunzt ins Meer.

Heute schlafen wir zufrieden am Campingplatz von Castlerock. Dieser hat zwar bereits für den Winter geschlossen. Wir haben aber den Schlüssel für die Toilette bekommen und dürfen gratis unser Zelt aufschlagen. Die Geschichte zum Schlüssel würde zu lange dauern und es ist ja auch egal. Wir dürfen im Zelt schlafen. Endlich schlafen. Somit gehört BreadlineWalking der gesamte Campingplatz für eine Nacht. Erschöpft schlafen wir bald ein. Aber Irland haben wir durchwandert. Und den Ireland Way (was auch immer das sein soll) werden wir auch noch schaffen. Das wissen wir nun. Und mit diesem Wissen schlafen wir endlich ein.

Marc & Tom, alias BreadlineWalking.

There is never a headline, ‘bout a breadline.
Wer noch nicht weiß, was wir hier eigentlich machen – wir sammeln Wärme und Sonnenschein für Obdachlose Menschen in Form von Spenden für das Eggerheim in Klagenfurt.

Die Spenden kommen zu 100 Prozent der Obdachlosenhilfe der Caritas Kärnten, Eggerheim Klagenfurt, zugute. Spenden könnt ihr direkt auf das angeführte Bankkonto oder über die offizielle Website der Caritas unter https://www.caritas-kaernten.at/…/inlandskamp…/weitwandern

Danke!

Donation for Caritas:
Kärntner Sparkasse
IBAN: AT40 2070 6000 0000 5587
BIC: KSPKAT2KXXX
Verwendungszweck: breadline walk

www.breadlinewalking.com
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